Startseite Unsere Gemeinde Kirchenmusik Kirchenmusik - Einladung Wort & Weise 19.11.2017 in der Bruder-Klaus Kirche
22 | 07 | 2019
Kirchenmusik - Einladung Wort & Weise 19.11.2017 in der Bruder-Klaus Kirche PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 03. November 2017 um 16:00 Uhr

Wort & Weise zum Abschluss des Bruder-Klaus-Gedenkjahres 2017

Wort & Weise mit Auszügen aus Telemanns Reformationsoratorium "Holder Friede, heil'ger Glaube am Sonntag, 19. November 2017 um 18:00 Uhr in der Bruder-Klaus-Kirche in Höpfigheim

Die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist lädt ein zu Wort & Weise zum Bruder-Klaus-Jahr 2017 am Sonntag, 19.November 2017, 18.00 Uhr in der Bruder-Klaus-Kirche in Höpfigheim.

2017 feiern wir das 600. Geburtsjahr von Niklaus von Flüe (1417-1487). Nach einem erfolgreichen Leben in Beruf, Familie und Gesellschaft zog er mit 50 Jahren in den nahegelegenen Ranft, eine Hangterasse im Melchaatobel beim Flüeli im Kanton Obwalden. Dort lebte er 20 Jahre, betete, fastete, dachte nach und empfing mehr und mehr Besucher. Bruder Klaus war nicht nur in sich gekehrter Mystiker, er war auch ein politisch aktiver Friedenssucher und Friedensstifter.

Eine Kernbotschaft des Einsiedlers lautet: „Friede ist stets in Gott, denn Gott ist der Friede. Unfriede aber wird zerstört werden.“ Daraus entwickelt er eine sozialpolitische Forderung: „Darum sollt Ihr darauf achten, dass Ihr auf Frieden baut, Witwen und Waisen beschirmt [...]“.

Dieser Gedanken wird in der Musik aufgegriffen. Chor, Soli und Orchester führen Auszüge aus Georg Philip Telemanns Oratorium „Holder Friede, heil‘ger Glaube“ (1755) auf. Ausgewählt wurde das Werk auch, weil es zum Telemann-Gedenkjahr 2017 passt, zum anderen den großen musikalischen Bogen zum Reformationsjubiläum in diesem Jahr schlägt.

Telemann schuf das Oratorium als Festmusik zur 200-Jahr-Feier des bedeutsamen Augsburger Religionsfriedens. Deshalb beginnt das Werk auch nicht mit einer Ouvertüre oder einem großen Chor, sondern mit einem munteren Duett zwischen dem Frieden und der Religion. Wenn man nicht wüsste, worum es sich hier handelt, dann würde man vielleicht eher auf ein deutsches Singspiel tippen, in dem sich die beiden Protagonisten gerade ihrer Liebe versichern – aber gewiss nicht auf das geistliche Reifewerk eines bald 70-jährigen barocken Meisters.

Das Oratorium ist insgesamt ein wirklich eigenwilliges Werk Es gibt keinen Erzähler, also keinen Evangelisten, der eine Handlung referiert. Hier streiten sich vier allegorische Figuren um ihre Funktion bei der Findung des Friedens für die Menschen: der Frieden, die Andacht, die Religion und die Geschichte.

Dies hat mit dem Entstehungsanlass zu tun. Der Vertrag des Augsburger Religionsfriedens besagte vor allem, dass nunmehr beide Kirchen nebeneinander existieren durften, dass aber der Landesherr bestimmt, was seine Untertanen zu glauben hatten. Damit war die Reformation zunächst beendet. Luther hat den Augsburger Religionsfrieden nicht mehr erlebt, denn er ist schon 1546 gestorben. Der Vertrag wurden damals als Durchbruch angesehen, als Grundlage für die friedliche Koexistenz von Luthertum und Katholizismus.

 

Aus Telemanns eingereichten Rechnungsbelegen kann man ersehen, dass er nicht viele Mittel für diese Feier in Hamburg zur Verfügung hatte. So musste er sich bei der Besetzung des Orchesters sehr einschränken. Und er hat das Werk 2-telig komponiert, so dass zwischen den beiden Teilen eine Predigt, später Reden gehalten werden konnten.

In seinem Spätwerk zeigt sich Telemann als erstaunlich jung gebliebener und überhaupt nicht rückwärtsgewandter Komponist, eher scheint er seiner Zeit voraus zu sein. Und doktrinär ist er auch nicht. Sein Reformations-Oratorium ist vielmehr ein polystilistisches Sammelsurium, das mal Heinrich Schütz anklingen lässt, dann choralartige Abschnitte bereithält und schließlich sogar dem ganz neu aufkommenden Stil der Empfindsamkeit huldigt.

250 Jahre später, im Jahr 2007, wurde dieses Werk aus dem Archivschlaf geweckt, erst in diesem Jahr ist eine Weltersteinspielung auf CD entstanden. Grundlage für die Aufführung in Höpfigheim ist deshalb eine Notenabschrift des Autographen. Ohne diese verdienstvolle Ausgrabung wüssten wir gar nicht, dass Telemann einen so unorthodoxen Chorsatz wie „Um deinetwillen werden wir getötet“ geschrieben hat. Das ist eine ungewöhnliche Klangsprache: Passend zum Text, der die Gläubigen mit Schlachtschafen vergleicht, komponiert Telemann im langsamen Einleitungsteil chromatische Linienführungen mit avancierten harmonischen Rückungen, ehe sich die düstere Atmosphäre in barock jubelnde
Glaubenszuversicht auflöst.

03.11.17 / UH

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. November 2017 um 23:56 Uhr